Vita -
Philosophie -
Journalismus -
Literatur - Wirtschaft
Bits - Rring -
Klappe -
Klick -
Gulp
Vita

Wenn Du nur kurze Informationen suchst, klicke das Symbol hier oben an und lade meinen Lebenslauf herunter. Ansonsten: Viel Spaß beim Lesen!
1974 Ich heiße
Alessandro Melazzini.
Geboren wurde ich im entlegenen Städtchen
Sondrio,
inmitten der Alpen und im tiefen Norden Italiens gelegen, wo ich bis zu meinem
neunzehnten Lebensjahr blieb. Sondrio ist die
Hauptstadt des Verwaltungsbezirks
Veltlin,
einer abgelegenen
Bergprovinz der Lombardei. Sondrio liegt von ziemlich allem
mindestens zwei Stunden entfernt. Denn wenn du dort lebst, brauchst du zwei
Stunden mit dem Auto oder dem Zug, um Mailand zu erreichen, bevor du dich auf
den Weg zum Rest von Italien machen kannst. Vorausgesetzt, dein Ziel ist nicht
Bergamo, denn andernfalls verlängern die Autokolonnen auf der Autobahn deine
Reise um unbestimmte Zeit. Tatsächlich würde ein Tunnel ausreichen, um Sondrio
und Bergamo im Handumdrehen zu verbinden. Aber Folge der „splendid isolation“,
in der das Veltlin sich immer hat betäuben wollen, ist ein unangenehmer Mangel
an Infrastruktur. Nicht einmal die Einkünfte aus zwei Ski-Weltcups (Bormio 1985
und Bormio 2005) haben es geschafft, die kleine Einschienenbahn und die
schauerliche Autobahn zu verbessern.
In Sondrio hatte ich als Junge keine Große Liebe. Echte Freunde? Keinen. Alles
in allem: eine Enttäuschung. Nicht dass das Schulleben
mich nicht abgelenkt hätte, aber ich hätte freiwillig alles gegen ein anderes
Aufwachsen eingetauscht. Um so wertvoller war es, am Computer zu tüfteln und kleine
Filmsketche mit den
Klassenkameraden zu inszenieren. Und, vor allem, mich aufs
Lesen zu
stürzen. Im Sommer atmete ich Freiheit auf Reisen ins Ausland. Zu Hause? Präzise
Hierarchien und starrer Katholizismus. Alles im Takt eines unveränderlichen
Rhythmus.
1993 In
Sondrio zu wohnen hat seine Vorteile. Der Großteil der Einwohner schätzt die
Ruhe und die Nähe zu den Bergen. Ein wenig Klettern reicht aus, um die vielen
Industriehallen zu vergessen, die im Tal verstreut liegen.
Denn wenn es erst
einmal die pseudo-brianza
Haut abstreift und sich wieder alpin gibt, kann das Veltlin bezaubern. Aber wenn
du das Gymnasium abgeschlossen hast, verschwindest du von dort, mehr oder
weniger froh. Im ersten Fall entscheidest du dich für eine Universität in
Mailand oder weiter fort, im zweiten Fall nimmt dich Pavia auf, und du kannst
das geruhsame Provinzleben fortführen, daß dir bereits fehlt. Oder in ein
Adelskolleg eintreten.
Ich habe Mailand gewählt und Wirtschaft an der
Università Luigi Bocconi
studiert. Bei der Entscheidung zum Studienfach hat mich familiärer Druck ebenso
beeinflusst, wie meine grundlegende Unsicherheit. Ich hatte Vorlieben
(Literatur, Kino, Philosophie, Psychologie) aber keine starke Überzeugung.
Wirtschaft versprach einen abwechslungsreichen Studiengang und glänzende
Berufsaussichten nach dem Examen. So glänzende, dass eine Absolventin meiner
Universität es soweit gebracht hat, ihre Pobacke
auf Kalendern zu zeigen.
Die Universität hat mir Kontakte gebracht, Lieben und Abenteuer. In den Jahren
in Mailand habe ich neben des Studiums der wirtschaftlichen Rationalisierung der
Gewinnspanne eines Diebes und der Analyse der IS-LM-Kurve weiter auf eigene
Faust meine Lektüre kultiviert. Ach ja, und ich habe ein Genlock aus
zweiter Hand gekauft. Nenn es eine Gefühlsregung, wenn du so willst.
1998 Aber vor allem habe ich meine beiden großen
Leidenschaften vereint: jamaikanische Musik und Informatik. Ich erschuf
SkabadiP.
1999 Nach dem Examen wähle ich die zweite Runde. Aufgrund
privater Lektüre und eines Kurses über Martin Heidegger (die Bocconi ist eine
Universität voller Klischees und Überraschungen) entschließe ich mich dazu,
meine theoretische Ausbildung philosophisch zu vollenden. Also fahre ich nach
Deutschland, zuerst nach Mannheim, wo sie die
Quadratur des Kreises vollzogen haben, dann nach
Heidelberg, wo ich ein zweites Studium in Philosophie und Germanistik an der
Ruprecht-Karls-Universität beginne.
2000 Ich habe oft unter Mailand gelitten. Zu Italia pflege ich ein konfliktreiches
Verhältnis. In Deutschland habe ich mich schnell
verliebt. Obendrein ist Heidelberg ein kleines Paradies für Studenten,
Professoren und SAP-Angestellte.
Und zu denken, dass einer meiner Freunde an der Bocconi eine Examensarbeit
gerade über SAP geschrieben hat. Die Jahre in Heidelberg sind intensiv.
2003 Ich arbeite bei La Stampa
bis 2005 mit. Als Kulturkorrespondent schreibe ich über Deutschland.
2005 Da sich der Abschluss meines Studiums des
Philosophie nähert, beschließe ich in Deutschland zu bleiben. Ich beginne eine
Zusammenarbeit mit dem Domenicale, der Kulturbeilage von
der italienischen Tageszeitung
Il Sole 24 Ore. Ich
erfinde Joseph Hugo und
ziehe in Bayerns Hauptstadt München um. Wegen der Museen, der Bibliotheken, des
Bieres und der zahllosen Verlagshäuser? Auch, aber vor allem, weil es Italien
ist, wie ich es gern hätte. Warmherzig. Grün, sauber und sicher. Eine Stadt, die
dir den Luxus bietet, dich
überall mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem
Fahrrad zu bewegen. Und wenn es an Fernreisen geht, bist du über einen
Muster-Flughafen schneller in Rom als von Sondrio aus. Nicht dass ich oft nach
Rom reise, aber es geht ums Prinzip. Schließlich gehöre ich der
Nomaden-Generation des Billigflieger an. Deutschland? Italien? Europa!
München ist eine Stadt, die zugleich elegant und in Party-Stimmung, modern
und traditionell ist. Und dann liegt sie nahe der Alpen. Bitte: nicht die
Ursprünge vergessen!
2006 Ich schließe mein zweites Studium ab, erwerbe meine
ersten Lederhosen und eröffne meine persönliche Internet-Seite (deutsche
Übersetzung von Jost Eickmeyer). Ich
arbeite für eine kurze Zeit mit dem
Italienischen
Kulturinstitut München zusammen.
Ferner arbeite ich mit dem italienischen Rundfunksender
Radio24
als Autor für die Kultursendung
La Finestra sul Cortile
und am
Bompiani
Verlagshaus als Lektor und Übersetzer.
2007
Ich schreibe für
Ventiquattro, das Magazin vom
Il Sole 24 Ore und
arbeite bei der TV-Reisesendung
Stella del Sud
(Italienische Fernsehanstalt
RAI1) für
zwei Sendungen über München und Bayern mit. Ich fange mit der Wochenzeitung
L’espresso
zu arbeiten an.
2008
Ich erwerbe die deutsche
Staatsangehörigkeit. Jetzt bin ich wie ich mich fühle, italienisch und deutsch.
Beides. Oder vielleicht keines. Ich arbeite an der
Fernsehesendung
Effetto Sabato (RAI 1) mit. Beim Bompiani Verlag erscheint
meine
Übersetzung des autobiographischen Romans
Was in zwei
Koffer passt. Klosterjahre
von Veronika Peters.

©
Alessandro Melazzini
Dieser Webseite steht unter folgender
Creative Commons
Lizenz