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Wirtschaft


1993 Den Eingangstest der Universität Bocconi habe ich gemeistert, indem ich ein halbes Helles austrank. Wir waren in der Aula Zappa [Hacke] zusammengepfercht. Ich fragte, ob dies nicht ein Wink sei, sich der Landwirtschaft zu widmen. Freunde, Freundinnen, Tagungen und Konferenzen bereicherten die Last der Vorlesungen. Ich entschied mich für die Spezialisierung in Volkswirtschaft, um einen eher theoretischen Zugang zur Materie zu gewinnen. Ich musste sehr viel Mathematik schlucken. Und ich schätze die Mathematik, aber ich liebe sie nicht. Ich bemerkte, dass ein Mensch alles im Leben machen konnte, wenn er erst einmal das Examen in Ökonometrie bestanden hat. Denn das war wie alle zwölf Arbeiten des Herkules in einer schriftlichen Prüfung zusammengefaßt. Und es kam rasend schnell näher. Nachdem ich es zunächst beim ersten mal als Gelegenheitstourist angeschaut hatte, mußte ich es nun bestehen, koste es, was es wolle. Wir waren in einer Task Force organisiert, mit dem operativem Zentrum in der Aula, nahe der Bar der mit Innenhof und Garten, unserer Oase , wo wir von morgens bis abends die Stellung hielten. Wir waren die Sklaven der linearen Regression. Das Camping-Tischchen, an dem wir unsere Strategien entwickelten, war vom ersten Morgen an mit Zetteln, Formeln und Aufzeichnungen überschwemmt. Alles war unverständlich, aber wir bildeten uns per Autosuggestion ein, dass wir uns im Stoff zurechtfänden, wie der falsche Arzt ohne Abschluss, der durch viele Arbeit im Krankenhaus von seinen Patienten unter die besten gezählt wurde. Die Tage vergingen in Gewaltmärschen, und alles ging mehr oder weniger verzweifelt voran bis zum Pausenbrot um vier Uhr. Dann, ermüdet von den Heerscharen von Vektorgraphiken, denen wir den ganzen Tag hindurch nachgejagt waren, fingen wir an zu haluzinieren und zu delirieren. Einer, der am Ende seiner Kräfte war, warf das Handtuch angesichts eines Examens, noch unüberwindlicher als die Berliner Mauer, und erzählte von einem undurchsichtigen Komplott des Instituts für quantitative Methoden gegen die Studenten, die nach einem Durchgang Analysis, einem in Finanzmathematik und einem in Statistik endlich Skylla und Charybdis passiert zu haben glaubten, wobei sie nicht wussten, dass sie in Wirklichkeit an den Thermopylen angelangt waren. Ein anderer schwor, in den Notizen Kants Noumenon erblickt zu haben, ein dritter völlig verzweifelter, wurde einfach auf einem Punto Blu ohnmächtig, dem Terminal, das man benutzte, um sich für die Examina einzuschreiben. Gegen Abend tauchten, unausweichlich, zwei Eierköpfe mit Aktenkoffern auf, die sich zur Bar begaben: Waren das vielleicht die Geister der Ökonometrie? Nein, wahrscheinlich eher sadistische Forscher aus dem Institut für quantitative Methoden. Je mehr die Zeit verrann, desto mehr steigerte sich die Beklemmung, desto weniger verstanden wir. Am letzten Tag organisierten wir eine Sitzung, um uns gegenseitig Mut zum Bestehen zu machen: In dieser Nacht schliefen wir den Schlaf des Gerechten.
Dann kam das Examen. Niemand weiss genau, was geschehen ist. Die Erinnerung ist getrübt. Ich weiß, dass ich wunderbarerweise die Prüfung gemeistert habe.
Der verrückte Hutmacher muss sie mir korrigiert haben.
1996
Ich verbrachte ein englischsprachiges Semester an der Erasmus-Universität Rotterdam. Wegen seiner geometrisch uneinheitlichen Architektur erschien mir Rotterdam wie Legoland. Würfelförmige Häuser, schiefe Wolkenkratzer, konische Telefonhäuschen. Das Institut für Wirtschaftswissenschaft befand sich in einem Hochhaus. Von der Mensa zu ebener Erde stieg man zu den Seminarräumen auf.
1999
Ich graduiert mit einer Arbeit über den Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto (1848-1923), den «Bären von Céligny».

Vilfredo Pareto Tenacino: “Signore incaricato” nella società del ferro in Valdarno.Läd meine Diplomarbeit (auf italienisch) über den jungen Manager Pareto herunter

 2002 Ich recherchierte in London für das Buch Vilfredo Pareto. L’uomo e lo scienziato..


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