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Klappe


Gegen Ende der Achtziger Jahre habe ich eine tragbare Videokamera in die Finger bekommen. Sie wog schwer wie ein Stein, aber damals war es eine Rarität. Ich begann zu üben, indem ich den Garten filmte und besondere häusliche Momente für die Ewigkeit festhielt.
1990
Ich kam von einer Japanreise mit einer kompakteren Videokamera zurück: Sofort schloss ich Freundschaft mit dem Videorekorder im Keller. Ich montierte Landschafts-Ausschnitte wie bei einem Intermezzo von der RAI oder drehte an Winternachmittagen Jugendfilme mit einigen Klassenkameraden, indem ich die Zeit bei den Hausaufgaben einsparte.
1993 Um mich vor den Giochi della Gioventù [
Schulsportfest] zu drücken, machte ich mich zum Leichtathletik-Reporter und drehte einen Dokumentarfilm über Schüler und Lehrer in kurzen Hosen. Ein Freund filmte, und ich interviewte die Lehrer, wobei ich sie ein wenig verarschte, verewigte Schüler im Athletik-Dress und brachte die kleinen Jungs aus der ersten Klasse in Verlegenheit. Daraus habe ich eine Videocassette gemacht, die das Weite gesuscht hat. Vielleicht hat ja auch der Direktor sie gesehen. Ich hatte ihn ganz höflich interviewt, während der Kameramann ihm auf die Zähne gezoomt hat.
1994 Ich  kaufte ein gebrauchtes Genlock. Ein Genlock ist ein Gerät zur Kombination des Videosignals vom Computer mit dem einer anderen Quelle, wie etwa einer Videokamera. Nach Lust und Laune imitierte ich die Bildmischungen der Fernsehnachrichten, beziehungsweise die Photos und die Graphik, die normalerweise auf dem Bildschirm gezeigt werden, während der Nachrichtensprecher redet. Ein Projekt für einen schwachsinnigeren Film war La Scarpa Assassina [Der mörderische Schuh], in dem ein Robot-Gymnastikschuh sich an die Verfolgung eines jungen Mädchens macht. Ich entwarf mit Deluxe Paint V eine Graphik-Animation in der Art des
Head up Display des ersten Terminator, d.h. einige Daten-Folgen, die vor den Augen des Roboters ablaufen und ihm alle nützlichen Informationen über die ihn umgebende Umwelt liefert. Hätte es damals die Digitaltechnik von heute gegeben, dann hätte ich mich nicht mehr aus meinem Laboratorium in einem Schuppen nahe unseres Hauses herauslocken lassen. Der zusammenhängendste Kurfilm war È Già Successo [Es ist schon geschehen]. Handlung: Der Protagonist kommt nach Hause und schaltet den Fernseher ein. In den Nachrichten kommt die Meldung, er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Er erschreckt sich und stirbt tatsächlich an einem Herzinfarkt, womit der die Meldung bestätigt.
Mit Beginn meines Studiums kam ich zu dem Schluss, die Erfahrung mit der Film-Bastelei endgültig aufzugeben. Unter dem Zwang, lustige Momente aufzuzeichnen, konnte ich sie nicht selbst erleben. Und dann ist Mailand nicht Sondrio, und man ist mit zwanzig Jahren zu alt für dergleichen Experimente mit dem Genlock. Das Aufnehmen von Videos war eine typische Erfahrung der Jugend. Insgesamt hat es mit außer lustigen Momenten einige Grundlagen gebracht, die nützlich sind, um die filmische Arbeit eines Regisseurs ein wenig zu beurteilen. Was ich mit dem Genlock gemacht habe? Ich habe eine Annonce auf
Secondamano aufgegeben, um es zu verkaufen, und es schließlich gegen ein Infrarot-Fernglas sowjetischer Herkunft getauscht.


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